Im Jahr 2026 jähren sich die Geburtsdaten zweier bemerkenswerter Künstler zum 150. Mal: Hans Licht, der Berliner Landschaftsmaler mit dem unverwechselbaren Gespür für Lichtstimmungen, und Bruno Wittenstein, der Detmolder Porträtist und Naturromantiker. Beide verbindet weit mehr als ihr Geburtsjahr. Ihre Wege kreuzten sich – sichtbar und unsichtbar – in Ausbildung, Stilentwicklung und künstlerischer Mission.
Gemeinsame Anfänge an der Berliner Akademie
Hans Licht wurde am 16. April 1876 in Berlin und Bruno Wittenstein am 19. September 1876 in Hamm in Westfalen geboren. Nach dem Besuch des Falk-Gymnasiums in Berlin absolviert Hans Licht ein zweieinhalbjähriges Praktikum an der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin. Bruno Wittensteins künstlerische Begabung fällt Lehrern schon während seiner Schulzeit am Königlichen Gymnasium in Hamm auf.
1895 treten beide jungen Männer in die Königliche akademische Hochschule für die bildenden Künste in Berlin ein. Dort studieren sie zunächst bei Ernst Hancke, einem angesehenen Lehrer für figürliches Zeichnen. Hans Licht findet bald seinen wichtigsten Mentor: Eugen Bracht, Meister der Landschaftsmalerei. Licht wird sein Meisterschüler und bleibt Bracht bis zu dessen Wechsel nach Dresden im Jahr 1901 eng verbunden.
Bruno Wittenstein hingegen widmet sich der Figurenmalerei bei Gustav Guthknecht. Nach nur eineinhalb Jahren zieht es ihn weiter nach München in das Umfeld des Malerfürsten Franz von Lenbach, wo er seine Porträtkunst verfeinert. Schon hier zeigt sich die erste Weggabelung: Licht bleibt der Landschaft treu, Wittenstein dem Menschen – doch beide tragen die Berliner Schule in sich.
Zwei Künstler, zwei Wege – und doch ein gemeinsamer Stilwandel
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts vollzieht sich bei beiden Malern ein entscheidender Wandel. Sie wenden sich dem Impressionismus zu. Ihre Gemälde zeigen nun zupackend kräftige Pinselstriche, leuchtende Farben, die sich optisch mischen. Dabei macht Hans Licht seinem Namen alle Ehre. Seine Werke leben von besonderen Lichtmomenten – Sonnenreflexe, atmosphärische Übergänge, vibrierender Himmel. Er sucht das Einmalige, das Flüchtige, das Leuchten.
Bruno Wittenstein bleibt dem Menschen zugewandt, doch entdeckt er zunehmend die Natur als Bühne für Romantik, Märchenhaftigkeit und emotionale Tiefe. Einige seiner Landschaften
wirken wie Meditationen oder Traumräume. Beide Künstler verbindet nun eine gemeinsame Sprache: Duktus, Farbe, Natur und Romantik.
Malerische Handschriften
Obwohl beide Maler bevorzugt mit Ölfarben arbeiten, wählen sie unterschiedliche Bildträger. Hans Licht malt überwiegend auf Hartpappe, was spontane, leuchtkräftige Pinselstriche begünstigt. Bruno Wittenstein bevorzugt Holztafeln, ideal für präzise Porträtarbeit. Beide nutzen meist mittelgroße Formate, greifen aber ebenso zu großen Leinwänden, wenn die Bildidee nach Raum, Weite und erzählerischer Tiefe verlangt.
Während Hans Licht sich fast vollständig der Ölmalerei widmet, zeigt Bruno Wittenstein eine bemerkenswerte methodische Bandbreite mit Aquarellen, Kohlezeichnungen und Mischtechniken. Hans Licht hingegen nutzt die Ölmalerei in all ihren Facetten: von zarten Lasuren bis zu pastosen Farbaufträgen, die seinen Landschaften eine fast körperliche Präsenz verleihen. Dass er sich diese Materialfülle leisten kann, unterscheidet ihn tragisch von Wittenstein, der in späteren Jahren verarmt und mit knappen Mitteln Großes schaffen muss. Eine überlieferte Anekdote berichtet von einem Käufer, der bei einem Besuch beobachtet, wie Wittenstein mit Pinseln malt, die nur noch wenige Haare haben – und dennoch Bilder von beeindruckender Kraft hervorbringt.
Motive
In ihren Schaffensphasen malen beide Künstler neben Landschaften auch charaktervolle Häuser oder historische Orte. Doch ihre Haltung zum Menschen im Bild unterscheidet sie deutlich. In Hans Lichts Landschaften erscheint der Mensch höchstens als kleine Staffagefigur. Seine Welt gehört dem Licht, dem Himmel, der Atmosphäre. Wittenstein hingegen vermeidet Menschen und Tiere in seinen Naturdarstellungen bewusst. Für ihn ist die Natur „genug“ – ein eigener Kosmos, authentisch und intensiv. Dieses Gefühl vermittelt Wittenstein besonders in seinen Gemälden am Donoper Teich. Der romantische Waldsee im Teutoburger Wald beschreibt Wittenstein als heiligen Hain, der bei Stille eine Verbindung zum Göttlichen und dabei Märchenphantasien entstehen lässt.
Doch wenn Wittenstein sich dem Menschen widmet, dann mit ganzer Hingabe. Seine Porträts – etwa das präimpressionistische Bild seiner Frau Lilli oder die eindrucksvollen Portraits des Kupferschmieds Johann Adolf Tille und des Malers Ernst Rötteken – zeigen psychologische Tiefe, präzise Beobachtung und eine Lichtregie, die an Franz von Lenbach erinnert. Ein Journalist schrieb im April 1910 zur Jahresausstellung Detmolder Künstler über Wittenstein und seine Portraits: „Über Bruno Wittenstein als Laie zu schrieben, gehört zu den schwierigsten Dingen, weil er viel zu vertieft, selbständig und eigenwillig ist und weil er dem
Nichtkenner die Türe zum Allerheiligsten vor der Nase zuschlägt… Die Portraitähnlichkeit ist Wittenstein nicht die Hauptsache, vielmehr ist es das Hervortreten besonders charakteristischer Momente. Er sieht Besonderheiten, wie z.B. die starke Ausprägung einer Gesichtspartie, eines Muskels, einer Falte. Diese gibt er dann sehr stark unterstrichen und damit schafft er eher Typen als Individuen, Arten als Einzelexemplare. Der gleiche Drang scheint mir bei der Farbgebung vorzuherrschen. Genau der gleiche Lichtreflex, selbst auf einem und demselben Gesicht, wird zweimal kaum in der Natur vorkommen, da zu viele Bedingungen wieder zusammentreffen müssten. Wittenstein liebt auch hier das Besondere, und so erscheinen uns viele seiner Portraits in einem seltenen und für uns ungewohnten Lichte.“
Farbe, Licht und Atmosphäre – zwei Meister der Nuance
Hans Licht und Bruno Wittenstein reizen die Palette der Farben aus – wohl wissend um die besondere Bedeutung des Blaus, Ausdruck von Frische, Klarheit und Spiritualität. Wittenstein hat seine Schüler immer wieder daran erinnert: „Vergesst nicht die Farbe Blau!“ Hans Lichts Landschaftsbilder sind vielfach geprägt von großen, offenen Himmeln, spektakulären Wolkenformationen und atmosphärischen Übergängen. Wittenstein hingegen findet seine Bühne im Teutoburger Wald mit uralten Bäumen und geheimnisvollen Stimmungen: ein Dämmerdunkel unter Bäumen, verschwiegene Tiefen in Balu und Dunkel. Seine Naturbilder wirken oft schwer und kraftvoll – und ziehen den Betrachter in eine Welt zwischen Realität und Märchen.
Was beide Maler verbindet, ist die Fähigkeit, durch Pinselduktus und Farbwahl eine subtile Veränderlichkeit zu erzeugen. Ihre Werke wirken nie statisch. Sie scheinen zu atmen, sich zu wandeln, je nachdem, wie das Licht darauf fällt. Es sind Bilder, die leben.
Detmold, Berlin und Schwalenberg
1904 zieht Bruno Wittenstein nach Detmold, wo er seine Geliebte Lilli Andrée heiratet. Er gründet eine Malschule und wird zu einer festen Größe im kulturellen Leben Lippes. 1913 ruft er mit anderen Künstlern den Lippischen Künstlerbund ins Leben, den er über viele Jahre in den Medien und gegenüber der Öffentlichkeit repräsentiert. Dem Verein gehören etwa 20 bildende Künstlerinnen und Künstler (Maler, Bildhauer, Graphiker) an, die in den beiden Fürstentümern – Lippe und Schaumburg Lippe – wohnhaft sind. Das Ziel des Lippischen Künstlerbundes ist es, seine Mitglieder in wirtschaftlich schwierigen Zeiten durch Ausstellungen zu unterstützen, den örtlichen Kunstmarkt zu fördern und die Bürger in den bildenden Künsten zu schulen. Der Schirmherr des Lippischen Künstlerbundes ist Fürst Leopold IV. zur Lippe, der Bruno Wittenstein bereits 1909 die Lippische Rose am Ringe (Orden für Kunst und Wissenschaft) verliehen hat.
Nach dem Weggang von Eugen Bracht, schließt sich Hans Licht dem Meisteratelier des Professors und Landschaftsmalers Albert Hertel an, dem er bis zu dessen Tod im Jahr 1912 freiberuflich verbunden bleibt. Zu einem Höhepunkt kommt es am 10. März 1906, als Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin Auguste Viktoria die Ateliers von Albert Hertel und Hans Licht in der Kunstakademie in Charlottenburg besuchen. Zu der Zeit führt Hans Licht eine bekannte Malschule. Mit seinen Schülern unternimmt er Exkursionen in das Berliner Umland und alljährliche Studienreisen in verschiedene Gegenden, vor allem Norddeutschlands. Seit 1902 malt Licht in Feldberg, Burg Stargard, Havelberg, Penzlin und an der Ostseeküste. 1907 heiratet Hans Licht die attraktive Konzert- und Opernsängerin Ella Wendel, die ihren Mann regelmässig auf seinen Reisen begleitet.
Ab 1908 tauchen Werke Hans Lichts auf Ausstellungen in Detmold auf, was dem aufmerksamen Bruno Wittenstein nicht entgangen sein dürfte. Ab etwa 1910 wird Licht zu einem regelmäßigen Gast in Schwalenberg, wo sich eine lebendige Malerkolonie entwickelt. Besonders in den 1920er Jahren prägt er das Bild der Stadt und trägt zu ihrer überregionalen Bekanntheit bei. „Am nächsten Montag trifft der bekannte Berliner Landschaftsmaler Hans Licht mit seiner aus 25 Malern und Malerinnen bestehenden Kunstschule, darunter auch Prinzessin Elisabeth von Bentheim, zu mehrwöchigem Studienaufenthalt hier ein“, berichtet die Lippische Landes-Zeitung am 30. Juni 1920. Wenn Hans Licht mit seiner Malschule in Schwalenberg einzieht, wird die romantische Kleinstadt zum Mekka für Freilichtmaler. An verschiedenen Straßenecken kann man das gewohnte Bild von den Malenden erblicken.
Zur Eröffnung einer Kunstausstellung in Schwalenberg im Juli 1920 erklärt Hans Licht, dass die Künstler vor Ort nicht nur hervorragende malerische Schönheit vorfinden, sondern auch mehr Verständnis und Entgegenkommen bei den Bewohnern als irgendwo anders. Zum Dank schenkt er der Stadt eines seiner schönen Bilder. Hans Lichts Gemälde aus Schwalenberg werden regelmäßig auf der Berliner Kunstausstellung gezeigt, wodurch der Ort über die Region hinaus bekannt wird und weitere Maler, aber auch Touristen anzieht.
1927 kommt Hans Licht erneut mit einem großen Gruppe Studenten nach Schwalenberg. Eine charmante Verbindung: Wittensteins Malschüler Hermann Koch aus Detmold schreibt in seinen Memoiren, dass er 1927 in die Sommermalschule von Hans Licht in Schwalenberg freundlich aufgenommen wurde. Koch, der Bruno Wittenstein sehr verehrte und regelmäßig besuchte, hatte seinem Lehrer sicherlich von seinen Erfahrungen mit Hans Licht ausführlich berichtet. In der Zeit wurde einem Bericht in der Lippischen Landes-Zeitung zufolge Bruno Wittenstein regelmäßiger Besucher der Malerstadt.
Nähe ohne Nachweis – kannten sie sich?
Ob Hans Licht und Bruno Wittenstein sich persönlich begegnet sind, ist bisher nicht belegt. Doch es ist sehr wahrscheinlich, denn ihre Lebenswege liegen auffallend nah beieinander: sie
sind aus der gleichen Malergeneration, besuchten die gleiche Akademie in Berlin zur gleichen Zeit und hatten daher gleiche Lehrer; sie durchliefen eine ähnliche stilistische Entwicklung, teilten die Liebe zur Natur und die gleiche Leidenschaft, Menschen das Malen beizubringen. Vielleicht standen sie nebeneinander in den Fluren der Akademie und hatten anregende Diskussionen. Vermutlich begegneten sie sich in Schwalenberg. Sicher verband sie aber eine stille, unausgesprochene Kollegialität. Denn gemeinsam standen sie für eine Epoche, in der Natur, Farbe und Gefühl zu zentralen Ausdrucksformen der Malerei wurden.
Die Bedeutung von Hans Licht und Bruno Wittenstein für die Region
Hans Licht und Bruno Wittenstein haben nicht nur in ihrer Zeit gewirkt – sie haben die kulturelle Identität einer ganzen Region geprägt. Beide erkannten früh die besondere Schönheit Lippes, des Teutoburger Waldes und der Städte wie Schwalenberg und Detmold. Diese Landschaften, mit ihrer Mischung aus Romantik, Ursprünglichkeit und stiller Erhabenheit, wurden zum Herzstück ihres künstlerischen Schaffens.
Die Gemälde beider Künstler gehören heute zum visuellen Gedächtnis Lippes. Sie haben festgehalten, was die Region ausmacht – und damit ein Stück Identität bewahrt: die romantischen Landschaften Schwalenbergs, die geheimnisvollen Wälder des Teutoburger Waldes, die historischen Stadtansichten und die Menschen, die hier lebten und arbeiteten. Ihre Kunst ist zu einem Spiegel der Region geworden.
Beide Maler haben zudem aktiv dazu beigetragen, dass Lippe und Schwalenberg über die Region hinaus bekannt wurden. Hans Licht machte Schwalenberg durch seine impressionistischen Landschaften und seine Präsenz auf Berliner Kunstausstellungen weithin sichtbar. Bruno Wittenstein verankerte die Kunst in Detmold und Lippe institutionell – durch seine Malschule, seine Porträtkunst und die Gründung des Lippischen Künstlerbundes. Gemeinsam schufen sie ein kulturelles Fundament, auf dem spätere Künstlergenerationen aufbauen konnten.
Ihre Werke sind heute nicht nur Kunstobjekte, sondern Zeitdokumente, die zeigen, wie die Region einst aussah, wie sie empfunden wurde und welche Geschichten sie erzählte. Sie haben die Landschaften Lippes nicht nur gemalt, sondern interpretiert, erhoben und emotional aufgeladen. Damit haben Hans Licht und Bruno Wittenstein etwas Seltenes erreicht: Sie haben die Region nicht nur dargestellt – sie haben sie mitgeprägt.
Die Gemälde - Zwei Blickwinkel, eine Leidenschaft
Wer sich den Gemälden „Die Elbe bei Blankenese“ von Hans Licht und „Schäfertrift bei Kreuzkrug/Oesterholz“ von Bruno Wittenstein nähert, spürt sofort, dass beide Maler eine tiefe Sehnsucht nach Weite, Licht und Farbe in sich tragen. Der Blick öffnet sich in zwei Landschaften, die – obwohl unterschiedlich – denselben inneren Atem tragen. Hans Licht
steht auf einem Hügel über dem Elbdelta. Vor ihm breiten sich bewaldete Hügel und in der Niederung Wasserflächen aus, die in Blau, Türkis und Grün schimmern. Sonnenstrahlen brechen durch schwere Kumuluswolken und legen sich wie wandernde Lichtinseln auf Hügel und Flussarme. Auch Bruno Wittenstein hat einen erhöhten Standpunkt gewählt. Von dort aus schaut er über die Schäfertrift am Kreuzkrug im Teutoburger Wald, wo die Heide im warmen Licht der untergehenden Sonne aufglüht. Das Rosa der Erika scheint fast zu schweben – ein Farbenspiel, das die Stille des Moments trägt.
Ein paar Schritte weiter begegnen wir zwei frühen Werken beider Künstler. Hans Licht zeigt im „Märkischen Städtchen am See“ von 1909 eine ruhige Wasserfläche, dahinter die Silhouette einer alten Stadt, getaucht in die gelb‑orangefarbenen Töne des Abendhimmels. Trotz der impressionistischen Atmosphäre bleibt das Fischerboot im Vordergrund präzise und fein gezeichnet – ein Hinweis auf Lichts handwerkliche Genauigkeit in dieser Schaffensphase.
Wittensteins frühes Porträt „Lilli“ aus dem Jahr 1899 führt uns in eine andere Welt: Die junge Frau, elegant und von einem weichen Pelz umrahmt, blickt den Betrachter mit einer Mischung aus Anmut, Charme und Zartheit an. Hier zeigt sich Wittensteins Gespür nicht nur für die besonders reizende Persönlichkeit, sondern auch für Material, Oberfläche und die leise Stimmung eines Augenblicks.
Dann wird es waldig, geheimnisvoll, fast märchenhaft. In Hans Lichts „Im Bredaer Holz“ scheint der Wald zu leben: alte, knorrige Bäume beobachten den Weg und jeden, der sich darauf bewegt. Licht und Schatten verweben sich zu einer stillen, urigen Atmosphäre. Wittensteins „Am Donoper Teich“ führt diese Stimmung fort: ein romantischer Ort, von Natur umschlossen, als hätte die Zeit dort für einen Moment angehalten.
Wittenstein begegnet uns anschließend als Porträtist. In den Bildern von „Kupferschmid Johann Adolf Tille“ und „Maler Ernst Rötteken“ zeigt er einmal mehr seine Fähigkeit, Menschen nicht nur abzubilden, sondern ihnen in die Seele zu schauen. Charakter, Haltung, Lebensweg – all das scheint in Gesicht und Gestik mitzuschwingen.
Schließlich gelangen wir zu den Städten, die beiden Malern Heimat und Inspiration waren. Hans Licht liebte Schwalenberg, und sein Blick vom Burgberg zeigt die Stadt unter einem dramatischen Abendhimmel. Wittenstein wiederum fand in Detmold seine Wahlheimat. Sein Blick auf Detmold wirkt, als würde man aus einem natürlichen Versteck hinter einem mächtigen Baum auf die Stadt spähen – vertraut und doch geheimnisvoll.
Hans Licht führt uns weiter durch Schwalenberg: ein Straßenzug aus den 1920er Jahren, belebt von Menschen, Tieren und dem alltäglichen Durcheinander der historischen Kleinstadt. Amüsiert widmet er sich dem Federvieh, das sich in einer Mistkuhle vergnügt – ein Motiv, das er mit kräftigen Farben und breitem Pinselstrich in ein „kleines Fest des Lichts“ verwandelt. Ganz anders wirkt sein „Forstweg mit Blick auf die Schwalenburg“: Das Bild strahlt eine sanfte, schöne Einsamkeit aus. Der Blick führt in eine Waldlichtung, die den Betrachter mit seinen kühlen Grün‑ und Blautönen umfängt. Die Stadt liegt unsichtbar hinter dem Berg. Nur die Burg taucht in der Ferne wie ein Orientierungspunkt aus zartem Dunst auf.
Der einsame Planwagen, der sich seinen Weg in den Wald sucht, verstärkt das Gefühl eines stillen Übergangs – weg vom Gewohnten, hinein in die Ruhe der Natur. Die Szene wirkt melancholisch, aber nicht traurig: eher wie ein Moment des Innehaltens, ein Schritt in eine Welt, die langsamer, weicher und träumerischer ist. Die Natur entfaltet hier ihre volle Wirkung. Das Grün des Waldes wirkt beruhigend, das Blau des Dunstes und der Ferne schafft Tiefe und eine fast poetische Distanz. Alles zusammen ergibt eine Stimmung von Verträumtheit, Besinnlichkeit und leiser Wehmut, als würde der Weg in den Wald zugleich ein Weg zu sich selbst sein.
Zum Abschluss begegnen wir Wittenstein noch einmal in seiner Nähe zu Detmold und dem Fürstenhaus. In der „Schlosswache Detmold“ liegt das Schloss hinter hohen Bäumen verborgen, nur der Turm ragt wie ein übergroßes Wahrzeichen hervor. Ein Wachposten mit einer Pickelhaube erlaubt die Datierung um 1910, als Lippe noch ein Freistaat war. Das großformatige Gemälde enthält ein Farbenmeer voller Details und kleiner Entdeckungen – ein Werk, das den Betrachter einlädt, immer wieder neu hinzusehen.
Danksagungen
Mein besonderer Dank gilt Alice Zimmermann, Nachfahrin von Hans Licht, und Hermann Haack, MdB a.D., die zur Verwirklichung dieses Artikels wesentlich beigetragen haben.
Wer weiß mehr? Hilfen Sie bei der Recherche zu Hans Licht und Bruno Wittenstein!
Für unser Recherche- und Dokumentationsprojekt zu den Malern Hans Licht und Bruno Wittenstein suchen wir Menschen, die ihr Wissen oder Materialien teilen möchten. Beide Künstler haben mit ihren Landschaften, Porträts und Stadtansichten die Region Lippe und darüber hinaus auf besondere Weise festgehalten. Viele ihrer Werke befinden sich heute in Privatbesitz oder sind nur bruchstückhaft dokumentiert.
Ich freue mich daher über jede Unterstützung – ganz gleich, ob es sich um Hinweise auf bislang unbekannte Gemälde, Fotografien von den Malern und Werken in Privatbesitz, alte Zeitungsartikel, Ausstellungskataloge oder Briefe, persönliche Erinnerungen oder Geschichten handelt. Jede noch so kleine Information kann helfen, das künstlerische Erbe von Hans Licht und Bruno Wittenstein besser zu verstehen und für die Zukunft zu bewahren.
Wer etwas beitragen möchte oder Fragen hat, kann sich gern melden bei Stephan Teiwes, eMail: stephan.teiwes@bluewin.ch, Mobil: +4179 752 6373.
Vielen Dank für Ihre Mithilfe und Ihr Interesse an der regionalen Kunstgeschichte!





